Derzeit wird viel – und oft emotional – über Unterschiede zwischen Ost und West diskutiert. Zuweilen ist der Ton in der Debatte schrill, nicht selten polarisierend. Kann man von einer Ost-West-Spaltung unserer Gesellschaft sprechen, und wenn ja, worauf ist sie zurückzuführen? Auf negative Folgen der Transformation nach 1989 oder die noch immer unbewältigte geteilte Geschichte in den Jahrzehnten zuvor?
Über diese Fragen möchten wir mit der Schriftstellerin und Journalistin Jana Hensel und dem Historiker Marcus Böick sprechen: über die Euphorie und die Aufbruchstimmung nach der Friedlichen Revolution 1989, über die Herausforderungen umstürzender politischer und wirtschaftlicher Veränderungen, die Erfolge, aber auch über Enttäuschungen und Ernüchterungen. Über gegenseitige Wahrnehmungen in West- und Ostdeutschland in den Nach-Wende-Jahren und die jeweiligen Perspektiven heute.
Manche Narrative über die letzten 35 Jahre dominieren den Diskurs, häufig sind es Narrative der Abgrenzung. In jüngster Zeit scheint darüber hinaus der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht ohne Auswirkungen auf das deutsch-deutsche Spannungsfeld zu sein. Der flächendeckende Erfolg der AfD in den ostdeutschen Bundesländern und die Frage nach dem Stellenwert von Demokratie und Rechtsstaat für deren Wähler verschärfen das Gefühl von Trennung und Verlust.
Gibt es (nicht) eine gemeinsame Geschichte nach 1989? Und (wie) kann es gelingen, eine Spaltung zu überwinden? Wie kommen wir zu einer gemeinsamen Erzählung über Vergangenheit und Zukunft unserer Gesellschaft?
Jana Hensel wird an diesem Abend aus ihrem neuen Buch „Es war einmal ein Land“ vorlesen.
Referent:innen: Jana Hensel, Berlin; Prof. Dr. Marcus Böick, Cambridge
Moderation: Dr. Marion Detjen
Die Teilnahme ist kostenfrei.